biografie



Die Kamera als Brücke zum Objekt

Mit 14 Jahren verkaufte Nikkol Rot ihre erste Fotografie: Nachdem ganz in der Nähe ihres Wohnorts in ZürichAffoltern ein Bahnwagen explodiert war, stellte sie sich auf den Balkon der Familienwohnung und hielt das Ereignis mit einer kleinen PocketKamera fest. Am nächsten Tag erschienen ihre Bilder in allen grossen Schweizer Zeitungen - sogar auf der Titelseite des «Blick».

Studium in Australien, selbstständig in Singapur

Trotz dieses frühen Erfolgs wurde aus Nikkol Rot keine Sensationsreporterin. Der Fotografie ist die Zürcherin jedoch treu geblieben. In ihrer Jugendzeit entwickelte die Tochter einer Fotografin eine regelrechte Sucht für Fotobücher; während eines Sprachaufenthalts in Sydney entschied sie sich schliesslich, die Leidenschaft Fotografie zum Beruf zu machen. Nach einem zweijährigen FotografieStudium in Australien kehrte sie in die Schweiz zurück, sammelte Erfahrungen als Assistentin - und zog als selbstständige Fotografin nach Singapur. Unrast ist eine Konstante in Nikkol Rots Leben: Nach einer erfolgreichen Zeit in Singapur - mit Bildern für «Elle», «CLEO» oder Philips - übernahm sie ein Fotostudio in Zürich und profilierte sich in der Schweiz vor allem als Mode und Werbefotografin, etwa für Diesel, Holcim oder die Migros. 2006 verkaufte sie ihr ganzes Hab und Gut erneut und wanderte nach Indien aus.

Neugier und Einfachheit

Neugier treibt Nikkol Rot nicht nur ständig an neue Orte - sie prägt auch ihren fotografischen Blick. Die 32Jährige sucht stets die Nähe zu ihrem Objekt und will den Dingen auf den Grund gehen; die Kamera steht nie zwischen ihr und den Porträtierten, sondern dient ihr als kommunikative Brücke. An der Fotografie fasziniere sie vor allem deren Funktion als Türöffner, sagt Nikkol Rot: «Meine Arbeit bringt mich in einmalige Situationen. Man gewinnt tiefe Einblicke, Menschen zeigen mir ihr wahres Leben und erzählen mir spannende Geschichten.» Sie selbst suche einen ehrlichen, unverstellten Zugang zu den Sujets und Porträtierten. «Meine Fotografie ist simpel, sie wird von einfachen Kompositionen geprägt», meint Nikkol Rot. Das ist nicht Bescheidenheit - sondern ein stets sichtbares Programm.

Text: Marius Leutenegger

gallerie: nikkolrot.ch

© nikkolrot.com